Suhrkamp Taschenbücher, Nr.1, Warten auf Godot, En attendant Godot, Waiting for Godot (Dreisprachige Ausgabe) (Broschiert)
von Samuel Beckett


 
tum spiro spero
• • • • •   (bewertet mit 5 von 5 Punkten)

Ein Stück, zwei Akte, 4 Personen, zwei Paare, zwei weitere Personen (Junge, Godot), einer unsichtbar. Eine Geschichte, zwei Schächer, einer ist erlöst. Alles ist entzweit.
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>Absurd ist nur das, was als nicht treffend, nicht zueinander passend bewiesen wurde. Ad absurdum führen kann man die Dinge, die sich in sich entzweien lassen. Das Absurde ist damit Entzweiung. Allein ist es nichts, es entsteht durch Gegenüberstellung. Die Entzweiung scheint damit wichtige und notwendige Voraussetzung für das Absurde. Albert Camus? Philosophie hat Beckett Pate gestanden.
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>Der Inhalt in Kürze: zwei Landstreicher an einer Strasse, sie warten auf Godot, vertreiben sich die Zeit durch Unterhaltung, small talk, etc . Zwei weitere treffen auf sie. Es wird diskutiert, über Zeit, über Religion (nur ein Schächer wird erlöst). Ein Junge tritt auf, er teilt mit, Godot wird nicht kommen. Dann: Alles auf Null, zweiter Akt, der Neubeginn. Zeit ist verstrichen, der Baum trägt Blätter. Sonst Wiederholung des ersten Aktes, warten, Langeweile und Zeitverlorenheit.
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>Die Menschen sind einsam, sie fühlen sich entzweit und isoliert. Im Warten verfolgen sie ein Ziel, aber es gibt keine Bewegung. Der Einsamkeit entkommt man nicht, die Dinge des Lebens bleiben getrennt oder sie werden getrennt. Die Wiederholung des täglichen prägt und lähmt. ?Nichts ist zu machen.? So beginnt Beckett sein Stück. ?dann vergeht die Zeit? und in dem Gespräch in der Wartezeit auf Godot stellen beide (Wladimir und Estragon) fest, dass sie zudem sich von allem abgewendet haben. ?Wir haben unsere Rechte verschleudert (s.21)?, sagte Wladimir (Didi) klar und deutlich. Die Position des Unveränderbaren, das sich hineinfügen in das Nichts und in die Zeitverschwendung, nur ?eine Frage des Temperaments?, ?Nichts ist zu machen?, wiederholt Estragon (Gogo). Was bleibt, sind die Tränen, die um die Welt gehen, ein Fluss, von jedem einzelnen genährt. Und es scheint die Zeit stehen geblieben, aber nur, weil sich nichts ändert. Alles ist Wiederholung, absurd wie bei Sisyphos, der nach Camus dennoch als glücklicher Mensch zu betrachten ist. Und das Handeln in der Zeit wird am Ende zu einer beinahe Eskalation. Sich nicht über die Zeit im Sinne von WANN und zum Handeln in der Zeit äußern zu wollen, zwingt Pozzo (der Herr des Knechtes Lucky) zur Überhöhung des Augenblicks, in dem er das Leben zum Zeitraffer macht: ?Sie gebären über dem Grabe, [?]? Und Wladimir sinniert am Ende über diese schwere Geburt, dass es immer genügend Zeit gibt, um alt zu werden. (vgl. Camus in ?Der glückliche Tod?: ?Zum Leben braucht man Zeit?.)
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>Betrachten wir die Ideen von Descartes und Sartre in diesem Zusammenhang. Während die Selbstgewißheit des cogito bei Descartes noch ein Vernunfts-Universum offenbaren sollte, ist bei Sartre das cogito in eine absurde Welt geworfen. Die Welt ist frei von Zweck und Hoffnung, denn um das Absurde zu festigen, muss jede Hoffnung dauerhaft abwesend sein wie hier auch bei Beckett. Während die kartesische Welt eine der Berechenbarkeit (hohe Vernunft) war, gilt die Welt Sartres und auch hier bei Beckett als ein Zirkel von wiederholter Enttäuschung und Misserfolg. Während Descartes System noch Gott Raum ließ - und er benötigte einen Gottesbeweis um die Vermittlung von res cogitans und res extensa zu ermöglichen - ist die Welt Sartres gottlos und der transzendentalen Obdachlosigkeit ausgeliefert. Auch Beckett scheint diesen Aspekt hervorzuheben, allerdings in der Umkehrung. Warten auf Godot klingt wie ein Verzweifeln im Diesseits und wie ein protestantisches Hoffen auf das Jenseits. Und in dem er Godot nicht kommen lässt, folgt er Sartre in die Gottlosigkeit.
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>Am Ende scheint Bewegung. Der Imperativ des Aufbruchs: ?Gehen wir!? lässt den Leser oder den Zuschauer aufatmen ? doch das Handeln widerspricht und wird zum Stillstand durch die Regieanweisung: Sie gehen nicht von der Stelle.
>Tum spiro spero. (die Hoffnung stirbt zu letzt)
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>Ein brisantes und immer aktuelles Thema. Beckett wurde zu Recht in den Literatenhimmel geholt.
Eine Rezension von kpoac Aachen
vom 7. Mai 2006
Kundenrezensionen:
16. bis ans ende aller tage
15. Kommt er, oder kommt er nicht??
14. tum spiro spero (die aktuell angezeigte Rezension)
13. Entweder Absurdität oder Religion
12. Absurd
11. Ich finde es pervers
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